
Österreichische Silber-Schillinge: Geschichte, Feinheit und Überblick
Österreichische Silber-Schillinge: Einordnung, Geschichte und Silbergehalt
Österreichische Silber-Schillinge nehmen eine besondere Stellung zwischen Umlaufgeld, nationaler Symbolik und Sammlerobjekt ein. Ihre Geschichte spiegelt politische Umbrüche, wirtschaftliche Zwänge und den Wandel von Silber als Währungsmetall hin zum Anlage- und Sammlermetall wider.
Grundsätzlich lassen sich die Silber-Schillinge in drei große Phasen einteilen:
- Währungsstabilisierung nach der Hyperinflation der 1920er-Jahre
- Wiederaufbau und Neubeginn nach 1945
- Wohlstandsphase mit Gedenk- und Anlagemünzen bis zur Euro-Einführung
I. Erste Republik und Ständestaat (1924–1938): Silber als Vertrauensanker
Nach dem Zusammenbruch der Krone und der Hyperinflation der frühen 1920er-Jahre sollte der Schilling ab 1925 Stabilität und Vertrauen schaffen. Silber spielte dabei eine zentrale Rolle: Es verlieh der neuen Währung Glaubwürdigkeit und Wertbeständigkeit.
Umlaufmünzen mit Silberdeckung
- ½- und 1-Schilling-Münzen waren echte Alltagsmünzen
- Frühe Prägungen enthielten relativ hohe Silberanteile
- Spätere Versionen reduzierten die Feinheit, um Kosten zu sparen
Kultur und Staatssymbolik
Besondere Bedeutung hatten die 2-Schilling-Münzen mit kulturellen Motiven (z. B. Mozart, Schubert, Haydn). Sie verbanden Geldumlauf mit kultureller Identität und Nationenbildung.
Ein Sonderfall ist die 5-Schilling-Münze mit Madonna-Motiv (1934–1936):
- hohe Feinheit von 835/1000
- bewusste Abgrenzung als wertiges Symbol des Ständestaates
- keine klassische Umlaufmünze, sondern politisch aufgeladenes Prestigeobjekt
II. Zweite Republik (1945–1959): Knappheit, Neubeginn und Symbolprägungen
Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte Rohstoffknappheit. Silber war zu wertvoll für den alltäglichen Umlauf, weshalb Aluminium und unedle Metalle dominierten.
Erst mit dem Staatsvertrag 1955 kehrte Silber sichtbar zurück – jedoch nicht mehr als Kleingeld, sondern als symbolisches Edelmetall.
Der 25-Schilling als Wendepunkt
- Einführung 1955 (800er Silber)
- Gedenkmünze zum Staatsvertrag
- Ausdruck von Freiheit, Souveränität und wirtschaftlichem Aufschwung
- Silber diente nun primär repräsentativen Zwecken
III. 1960–2002: Wohlstand, Gedenkmünzen und Sammlerprägungen
Mit wachsendem Wohlstand verschwand Silber endgültig aus dem täglichen Zahlungsverkehr.
Letzte Silber-Umlaufmünzen
- 10 Schilling (ab 1957, 640er Silber)
- 5 Schilling „Lipizzaner” (ab 1960)
Diese Münzen waren die letzten österreichischen Silbermünzen im Umlauf.
Steigende Silberpreise in den 1960er- und 1970er-Jahren führten dazu, dass Silbermünzen gehortet wurden – ein klassisches Beispiel für Greshams Gesetz: „Schlechtes Geld verdrängt gutes.”
Aufstieg der Gedenk- und Anlagemünzen
Ab den 1960er-Jahren verlagerte sich Silber vollständig in:
- 50-, 100-, 200- und 500-Schilling-Gedenkmünzen
- steigende Feinheiten bis 925/1000 (Sterling-Silber)
- Themen: Geschichte, Kultur, Sport, Jubiläen
Diese Münzen wurden gezielt für Sammler und Silberanleger geprägt und blieben bis zur Euro-Einführung 2002 relevant.
Übersicht: Österreichische Silber-Schillinge nach Typ und Epoche
Nennwert | Bild | Republik / Ära | Prägezeitraum | Feinheit | Raugewicht | Feingewicht | Hinweise |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| ½ Schilling | Erste Republik / Ständestaat | 1925–1926 | 640/1000 | 3,00 g | 1,92 g | Umlaufmünze; frühe Prägung | |
| 1 Schilling | Erste Republik | 1924 | 800/1000 | 7,00 g | 5,60 g | Erste Prägeversion mit höherem Silberanteil | |
| 1 Schilling | Erste Republik | 1925–1932 | 640/1000 | 6,00 g | 3,84 g | Reduzierter Silberanteil | |
| 2 Schilling | Erste Republik / Ständestaat | 1928–1937 | 640/1000 | 12,00 g | 7,68 g | Jahres-Gedenkmünzen (z. B. Mozart) | |
| 5 Schilling | Erste Republik | 1934–1936 | 835/1000 | 15,00 g | 12,53 g | Madonna-Motiv; höchste Feinheit der Ära | |
| — Zweite Republik — | |||||||
| 5 Schilling | Zweite Republik | 1960–1968 | 640/1000 | 5,20 g | 3,33 g | „Lipizzaner"; letzte Silber-Umlaufmünze | |
| 10 Schilling | Zweite Republik | 1957–1973 | 640/1000 | 7,50 g | 4,80 g | Wichtige Umlaufmünze | |
| 25 Schilling | Zweite Republik | 1955–1973 | 800/1000 | 13,00 g | 10,40 g | Staatsvertrag, zentrale Gedenkmünze | |
| 50 Schilling | Zweite Republik | 1959–1973 | 900/1000 | 20,00 g | 18,00 g | Frühe hochwertige Gedenkserie | |
| 50 Schilling | Zweite Republik | 1974–1978 | 640/1000 | 20,00 g | 12,80 g | Feinheitsreduzierung | |
| 100 Schilling | — | Zweite Republik | 1974–1979 | 640/1000 | 24,00 g | 15,36 g | Frühe Gedenkprägungen |
| 100 Schilling | — | Zweite Republik | 1991–2001 | 900/1000 | 20,00 g | 18,00 g | Spätere Serie mit höherer Feinheit |
| 200 Schilling | — | Zweite Republik | 1995 | 925/1000 | 33,63 g | 31,11 g | Sonderausgabe (IOC) |
| 500 Schilling | — | Zweite Republik | 1980–1982 | 640/1000 | 24,00 g | 15,36 g | Frühphase |
| 500 Schilling | — | Zweite Republik | 1983–2001 | 925/1000 | 24,00 g | 22,20 g | Standard-Gedenkprägung in Sterling-Silber |
Fazit: Silber-Schillinge zwischen Geschichte und Edelmetall
Österreichische Silber-Schillinge sind keine homogene Münzgruppe, sondern das Ergebnis wechselnder wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen.
Sie markieren den Weg:
- von Silber als Währungsbasis
- über Silber als staatliches Symbol
- hin zu Silber als Sammler- und Anlagemetall
Für Sammler, Historiker und Edelmetallinteressierte bieten sie einen einzigartigen Zugang zur österreichischen Geldgeschichte.
Ist Silber in Schilling-Münzen immer gleichwertig?
Nein, die Feinheit variiert stark nach Epoche und Prägung:
- ½ Schilling: 640/1000
- 1 Schilling: 640–800/1000
- 25–500 Schilling: 800–925/1000
Welche Silber-Schillinge eignen sich für Sammler?
Gedenkmünzen ab 25 Schilling mit höherem Silbergehalt (bis 925/1000) sind besonders beliebt. Umlaufmünzen sind historisch interessant, aber meist niedriger in der Feinheit.
Warum verschwand Silber aus dem Umlauf?
Steigende Silberpreise und Greshams Gesetz führten dazu, dass wertvolles Silber gehortet wurde. Umlaufmünzen mit Silber wurden durch unedlere Metalle ersetzt.
Wie viel Silber steckt in den Münzen?
Das Feingewicht (Ag) finden Sie in der Tabelle. Es ist entscheidend für Sammlerwert und Anlageinteresse.
Kann ich diese Münzen noch kaufen oder verkaufen?
Ja, sie sind auf dem Sammlermarkt erhältlich. Preise variieren je nach Erhaltung, Prägejahr und Feinheit.
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